Der Cleverprinting
Newsletter Oktober 2006.
Special: Verwendung
von JobJackets in Quark XPress 7
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Ressourcen-Sharing
mit Job Jackets
in Quark XPress 7
Job Jackets sind eines der innovativen neuen Features von QuarkXPress
7. Neben Funktionen wie Transparenzen und OpenType, die nach längerer
Zeit jetzt auch Quark Anwendern zur Verfügung stehen, bieten Technologien
wie Job Jackets oder Composition Zones völlig neue Ansätze.
Sie stellen sicherlich im Moment auch ein Alleinstellungsmerkmal des
Quark Produktes dar. Nach den ersten Monaten des Praxiseinsatzes von
QuarkXPress 7 kann ein Blick auf die Job Jackets anhand eines prototypischen „reellen“ Projektes
geworfen werden. Dabei sollen sowohl die Vorteile beim Einsatz als auch
die verbleibenden Baustellen diskutiert werden.
Job Jackets sind hier ein interessantes Mittel um sicherzustellen, dass
alle am Projekt beteiligten Personen und Abteilungen stets mit den aktuellen
Vorgaben und Richtlinien für den Dokumentaufbau arbeiten. Sie ermöglichen
die gemeinsame Nutzung von QuarkXPress 7 Ressourcen über die komplette
Arbeitsgruppe hinweg, mit Echtzeit-Aktualisierung in allen verknüpften
Dokumenten.
Ein Beispiel: Erstellt werden soll eine größere Menge an
Datenblättern
für einen Industriebetrieb. In der Grafik-Abteilung wurde eine Entwurfsvorlage
sowie ein Gestaltungsraster entwickelt, in dem bereits verschiedene Vorgaben
festgelegt sind. Trotzdem ist es aufgrund einer engen Terminvorgabe notwendig,
bereits mit der Satzarbeit zu beginnen, bevor alle Spezifikationen endgültig
definiert wurden.
Jede Fachkraft steuert zum Jacket das bei, was er/sie am besten kann:
Die Vorstufe die Definitionen für den PDF-Export oder das Farbmanagement.
Der DTPler die Stilvorlagen und S&Bs. Der Grafiker die Farbdefinitionen
und den Satzspiegel. Der Produktioner legt das Seitenformat-, die –zahl
sowie die Menge der maximal zu verwendenden Druckfarben fest.
Was es neu braucht, in einem Workflow der Job Jackets verwendet, ist
eine Art „Jacket-Administrator“: Dieser fügt die einzelnen
Komponenten zu einem Job Jacket zusammen und vernetzt sie darin zu einer
sinnvollen Einheit. Diese Person ist die einzige, die Hintergrundwissen über
die genauen Funktionsweisen und Zusammenhänge innerhalb der Jackets
benötigt.
Für alle anderen ändern sich an der Arbeitsweise nur ein paar
Details im Umgang mit QuarkXPress.

Der Layouter erstellt also sein Datenblatt auf Basis der Ticket-Vorlage
für Datenblätter. Dadurch wird, immer vorausgesetzt, das Job
Jacket ist entsprechend konfiguriert, das Dokument bereits von Beginn
an richtig angelegt: Die Seitengröße ist wie vorgegeben, die
Zahl der Seiten stimmt. Außerdem ist der Satzspiegel über
Randhilfslinien definiert. Das QuarkXPress Layout wird also bereits automatisch
richtig eingestellt. Dieses Pre-Setup geht aber noch tiefer: Auch die
Definition von Quellen und Ziel für das Farbmanagement, sowie der
Rendering Intent für das Softproofing werden bereits durch das Job
Ticket vorgegeben!
Das Job Ticket bringt aber unser Datenblatt nicht nur von Beginn an in
die richtige Form, es bestückt das QuarkXPress Dokument auch mit
den notwendigen Ressourcen: Die Hausfarben und das Farbschema für
die Datenblätter sind ebenfalls bereits beim Erstellen des Layouts
vorhanden. Dasselbe gilt für Absatz- und Zeichenstilvorlagen sowie
für S&Bs. Auch hier stehen die benötigten Einstellungsmöglichkeiten
von Beginn an zur Verfügung.
Dadurch, dass all diese Vorgaben direkt aus dem Ticket kommen, und das
automatisch, wird eine beliebte Fehlerquellen umgangen: Der manuelle
Import veralteter oder fehlerhafter Ressourcen aus anderen, „ähnlichen“ Dokumenten,
oder grundsätzlicher: Das falsche Anlegen von Dokumenten.
Diese Konzept der „präventiven Sicherheit“ wird auch
bei der Ausgabe weitergeführt: Unter den Menüpunkt Ablage:
Jobausgabe können über Job Jackets Ausgabewege vorgegeben werden.
Dabei kann es sich sowohl um Ansichts- oder Druck-PDFs, als auch um EPS-
bzw. PPML-Exporte handeln. Auch für die Ansteuerung von Ausdrucken
auf Druckern können natürlich verschiedenste Stile erstellt
werden.
Der Befehl „Jobausgabe“ macht aber mehr, als nur das einfache
Ansteuern von Ausgabestilen. Diese bekannten Ausgabestile für PDF,
EPS, PPML und Druck werden nämlich in sog. „Ausgabespezifikationen“ eingebunden,
die einen erweiterten Regelsatz für den Dokumentinhalt definieren.
So wird im Vorfeld der eigentlichen Ausgabe auch auf verwendete Bildfarbräume,
Bilddateiformate, Farbdichten, Überdruckungsmethoden und die Einhaltung
von Auflösungsgrenzen bei Bildern (momentan leider nicht getrennt
für Strich- und Halbtonmotive) geprüft. Diesen Vorgang hat
Quark „Layout-Evaluierung“ getauft.
In der Tat sind Job Jackets die Einführung eines neuartigen Konzeptes
für Preflighting: Sie arbeiten vorbeugend bereits beim Erstellen
eines Dokuments sowie bei der Ausgabe. Gerade hier zeigt sich ein Unterscheid
zum PDF-Preflight: Dieses greift ja erst, wenn die Druckdaten bereits
erstellt sind, Korrekturmöglichkeiten sind zwar auch hier noch vorhanden,
jedoch begrenzt. Ein Preflight, welches bereits im Layout-Programm arbeitet,
ist daher immer sinnvoller, weil es eben schon verhindert, dass überhaupt
fehlerhafte Druckdaten erzeugt werden. Grundsätzlich gilt also:
Je früher im Workflow Prüfungen durchgeführt werden, desto
einfacher und nachhaltiger ist die Beseitigung von Fehlern.

Ein Check durch QuarkXPress 7 kann aber nicht eine separate Prüfung
auf PDF-Ebene ersetzen: Die Frage ist, welche Information steht an welcher
Stelle des Workflows zur Verfügung? Ein QuarkXPress-Preflight kann
andere Dinge finden als ein PDF-Preflight. Umgekehrt sind aber auf PDF-Ebene
auch wieder andere Informationen verfügbar, die in QuarkXPress so
nicht abgreifbar wären. Ein gesondertes Preflight in beiden Programmen
ist daher auf jeden Fall notwendig, wenngleich große Schnittmengen
zwischen beiden Technologien bestehen. Daran sollte sich auch die Gestaltung
der Prüf-Profile ausrichten. Außerdem überprüfen
Job Jackets zur Zeit nicht den Inhalt importierter Vektor-EPS Dateien.
Gerade in solchen Konstellationen ist es notwendig, hier im PDF noch
mal genauer hinzuschauen.
Job Jackets erlauben nicht nur eine einfache Prüfung auf die oben
genannten Kriterien, es ist auch möglich, ähnlich dem callas
PDF-Preflight, eigene Regelsätze zu definieren. Dadurch ist es etwa
denkbar, die Basis-Prüfungen der Ausgabe um projektspezifische Spezifikationen
zu erweitern. Das können sowohl Regeln für Überdrucken,
Haarlinien, Schriftgrößen, Farbverwendungen u. a. sein, aber
auch z.B. für Textüberläufe, einem Fehler, der so nur
auf QuarkXPress-Ebene zu finden ist.
Wenn man sich von dem Gedanken rein PrePress basierter Regeln etwas löst,
ist hier noch weit mehr Potenzial vorstellbar: Im Datenblatt-Projekt
könnte explizit auf die Verwendung von best. Schriftarten oder Schriftgrößen
geprüft werden. Es ist durchaus möglich, diese Regeln auch
erst im Laufe der Projekt-Umsetzung einzuführen, um flexibel auf Änderungen
der Vorgaben zu reagieren.
Wie bei den anderen Komponenten eines Job Jackets gilt auch bei Regeln,
dass diese über die Arbeitsgruppe gemeinsam genutzt werden. Bei
der Jobausgabe kommen also immer die aktuell hinterlegten Spezifikationen
zum Tragen.

Fassen wir noch mal konkret am Beispiel zusammen: Job Jackets sorgen
dafür, dass das Datenblatt automatisch vier Seiten und ein spezielles
amerikanisches Format hat. Sie konfigurieren das Farbmanagement des Dokumentes
wie gewünscht. Auch die korrekten Hausfarben und Stilvorlagen kommen über
Job Jackets richtig in das Dokument. Bei der Ausgabe prüfen sie
auf Einhaltung verschiedenster Vorgaben und steuern von selbst den richtigen
Ausgabestil an.
Ein konkreter Fall: In der Mitte des Projekts ändert sich die Farbdefinition
für die Hausfarbe von HKS auf Pantone. Ohne Job Jackets müsste
jetzt in allen Datenblättern manuell die Farbe geändert oder
neu angefügt werden. Das ist zeitaufwändig und fehleranfällig.
Mit Job Jackets gestaltet sich dieser Vorgang einfacher: In einem der
verknüpften Dokument wird einfach die Farbdefinition geändert
(natürlich muss diese eine Ressource des Job Jackets sein). Dadurch ändert
sich in allen ebenfalls verknüpften Dokumenten automatisch die Farbe
mit! Dieser Ablauf ist wesentlich sicherer, da sich niemand mehr um die
Aktualität und Richtigkeit der verwendeten Ressourcen kümmern
muss.
An dieser Stelle zeigt sich aber auch ein momentaner Schwachpunkt der
Technologie: Bis Version 7.02 von QuarkXPress ist kein Rechtemanagement
in die Job Jackets integriert. Das heißt, jeder kann wissentlich
oder „aus versehen“ Ressourcen von Job Jackets ändern
und somit auch das Erscheinungsbild oder Verhalten anderer Dokumente
entscheidend beeinflussen. In zukünftigen Versionen der Job Jackets
muss (und wird) Quark daher zwingend ein Rechtesystem einbauen, um solchen
unautorisierten Änderungen vorzubeugen.
Auch im Ausgabe-Bereich sind ähnlich elegant Workflow-Änderungen
zu erreichen: Wechselt z.B. das Zielprofil für Farbtransformationen
(etwa von ISO Coated auf einen Hausstandard) kann dies über Job
Jackets von selbst auf alle abhängigen Dokumente abgebildet werden.
Konventionell müssten hier Stile ausgetauscht werden, Altdaten könnten übersehen
werden usw. Das hier vorhandene Fehlerpotential wird mit Job Jackets
fast im Keim erstickt.
Regeln bieten ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Steuerungs-Potential:
So kann darin etwa das verwenden von (z.B.) JPG-Bilddaten oder Lab-Farbräumen
verboten werden. Hier erhalten Job Jackets auch einen gewissen „Erziehungs-Auftag“ für
eine bestimmte Art der Datenhaltung oder Arbeitsvorbereitung.
Job Jackets unterstützen den evolutionären Prozess, den grafische
und technische Festlegungen während der Auftrags-Arbeit oftmals
nehmen und vereinfachen deren Durchsetzung.
Die Auseinandersetzung mit Job Jackets lohnt sich also. Auch wenn es
auf den ersten (und zweiten) Blick schwierig ist, dass Geflecht von Tickets,
Ticket-Vorlagen und Jackets zu entwirren und die Zusammenhänge im
Job Jacket Manager zu durchschauen. Man darf nicht vergessen, dass es
sich quasi um eine Version 1.0 der Technologie handelt, so gibt es auch
noch einige Stolpersteine und konzeptionelle Probleme. Trotzdem sind
Job Jackets bereits heute sehr praktikabel, der gewisse Einarbeitungsaufwand
für den Administrator wird wohl spätestens dann amortisiert,
wenn sich bei einem Kunden die Hausfarbe ändert...
Eine Anleitung zum Erstellen eines grafischen Job-Jackets finden Sie
hier:
http://www.georgobermayr.de/index.php/anleitung-zur-erstellung-eines-grafischen-job-jackets
Copyright by Georg Obermayr, Oktober 2006
Weitere Infos zu Quark XPress 7 sowie eine Demoversion finden
Sie hier:
http://www.quark.de
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