Illustrator CS4: Neuigkeiten und Verbesserungen

- Illustrator-Expertin Monika Gause stellt Illustrator CS4 vor

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Neuigkeiten und Verbesserungen in Adobe Illustrator CS4

Die Liste der Neuerungen in Illustrator CS 4 ist lang: endlich sind mehrere Seiten in einem Dokument möglich, transparente Verläufe, es gibt neue Pinsel, eine Separationsvorschau, eine erweiterte Aussehen-Palette, Änderungen bei Hilfslinien, Schnittmasken und und und...

Monika Gause, Illustrator-Expertin und Fachbuchautorin, hat für uns dem neuen Illustrator CS4 auf den Zahn gefühlt. Sie stellt Ihnen die wichtigsten Neuerungen vor und zeigt, wo Adobe dem Klassiker neue Funktionen spendiert hat.

Adobe Illustrator CS4

Mit der CS4 hat Adobe zum ersten Mal alle Applikationen auf einmal aktualisiert. Man könnte meinen, dass bei dieser Aufgabe einzelne Programme "unter den Tisch" fallen und ein wenig stiefmütterlich behandelt werden. Gerade die Liste der Aktualisierung in Illustrator liest sich auf den ersten Blick nicht so beeindruckend wie bei vergangenen Updates.

Mehr Seiten

Auf den zweiten Blick finden sich jedoch viele Features, die schon lange von Nutzern gefordert wurden, aber aufgrund vieler Faktoren undenkbar schienen. Wie etwa die Möglichkeit, mehrere Seiten anzulegen. Nun, Seiten sind es eigentlich nicht. In Version CS4 können Sie bis zu 100 Zeichenflächen im Dokument definieren. Diese sind in unterschiedlichen Größen und sogar überlappend möglich. Die Entwickler haben zu dem Zweck das Schnittbereich-Werkzeug getuned.



Mehrere Zeichenflächen in einem Dokument. Die Beschnittzugabe ist jedoch dokumentweit identisch. Ein klick auf das Bild öffnet eine Großbildansicht.

Mithilfe der Zeichenflächen können mehrere Entwürfe (oder auch so etwas Simples wie Vorder- und Rückseite) in einem Dokument bearbeitet und auch ausgegeben werden. Allerdings liegen die Zeichenflächen außerhalb der Objekthierarchie des Dokuments. Sie haben auch keine eigenen Lineale, was die Positionierung von Objekten erschwert (für Mac OS X 10.5 gibt es ein AppleScript, das bei der Positionierung hilft: Artboard Coords: http://www.mordy.com/pics/Artboard_coords.zip).

Ebenen reichen über alle Zeichenflächen des Dokuments, daher sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie einer Ebene in einem mehrseitigen Dokument Aussehen-Eigenschaften zuweisen. Die Eigenschaften wirken natürlich auf allen Seiten. Es ist wahrscheinlich sinnvoll, sich anzugewöhnen, eine zu den Seiten korrespondierende Ebenenstruktur aufzubauen und stringent zu benutzen.

Die Numerierung der Zeichenflächen wird von Illustrator CS4 nach der Reihenfolge ihrer Erstellung automatisch vergeben und lässt sich nicht verändern. Beim Ausgeben eines Dokuments können Sie steuern, welche Zeichenflächen gedruckt, in Pixelformate exportiert oder in native Formate gespeichert werden sollen. Die Gesamt-Dokumentgröße von etwa 6 x 6 Meter wurde jedoch nicht erweitert.



Im Drucken-Dialog wählen Sie die zu druckenden Zeichenflächen aus.

Wundern Sie sich nicht: Die Größe des Dokuments können Sie gar nicht mehr steuern – die Größe der Zeichenflächen regeln Sie mit dem Zeichenfläche-Werkzeug bzw. dessen Optionen, siehe Dialogbox "Dokument einrichten".
Aber: Illustrator bietet endlich die Möglichkeit, eine Beschnittzugabe als Dokumenteigenschaft zu definieren. So gibt es dann auch korrekte PDF-Boxen in AI-Dateien.

Verläufe

Noch eine kleine Sensation: Verläufe können Transparenz enthalten. Und nicht nur das, das Editieren von Verläufen ist wesentlich vereinfacht worden. Direkt am Objekt können Sie die Verlaufstops ziehen, die Verlaufsrichtung drehen oder die Rundheit und den Durchmesser von radialen Verläufen bestimmen. Viele Versuche bei der Arbeit mit dem Verlauf-Werkzeug dürften damit entfallen, man kommt schneller und genauer ans Ziel.



Nicht nur die Position der Stops, auch deren Farbdefinition rufen Sie direkt am Objekt auf.



Ein elliptischer Verlauf lässt sich jetzt ganz einfach mit dem Regler definieren. Der andere Regler (links außen) ist für das Skalieren des Verlaufs zuständig.

Separationsvorschau

Überdrucken kann in einer komplexen Illustration schwer zu durchschauen sein. Das Überprüfen einer Datei in Acrobat oder mit der Separationsvorschau in InDesign ist ein Umweg, daher war es natürlich höchste Zeit, dass ein Programm mit derart komplexen Transparenzoptionen wie Illustrator eine eigene Separationsvorschau erhält. Sie ist allerdings nicht mehr als das. Man kann die einzelnen Auszüge ein- und ausblenden. Wer mehr will, ist weiterhin auf die üblichen Methoden oder auf Plug-ins angewiesen. Besonders erwähnt sei hier übrigens PhantasmCS, das gerade für CS4 aktualisiert und mit deutschem Handbuch versehen wurde.



Die Separationsvorschau dient vor allem zum Aufdecken von Problemen beim Überdrucken.



Farbdeckungsanzeige von PhantasmCS (CS3-Version)

Tropfenpinsel-Werkzeug

Comic-Zeichner und traditionelle Illustratoren werden das neue Tropfenpinsel-Werkzeug zu schätzen wissen. Es arbeitet wie der Kalligrafie-Pinsel (auch mit drucksensitiven Eingabemedien), erzeugt aber sofort eine Outline und vereinigt gleichfarbige Flächen miteinander.



Mit dem Tropfenpinsel-Werkzeug gezeichnete Pinselstriche werden gleich erweitert und verbunden.

Aussehen-Palette

Mehr für den Illustrator-Power-User ist die aufgebrezelte Aussehen-Palette. Einzelne Attribute können hier ausgeblendet werden (um die Wirkung zu testen oder dem Bildschirmaufbau Beine zu machen) und das Editieren der Eigenschaften ist direkt in der Palette durch kleine Pop-Ups möglich. Nicht mehr ein dutzend Fensterchen, um die Eigenschaften eines Objekts zu bearbeiten, sondern nur noch die Aussehen-Palette.


Direkt in der Aussehen-Palette können Sie die Kontur-Eigenschaften (hier z.B. die Farbe) bestimmen. Unterstrichene Attribute lassen sich angeklicken.

Magnetische Hilfslinien

Eine der meistgestellten Fragen von Illustrator-Anfängern bezieht sich darauf, wie man die magnetischen Hilfslinien deaktiviert. Dies wird sich hoffentlich ändern, denn sie sind in der neuen Version noch nützlicher geworden. Sie ermöglichen (beim Verschieben auf der Zeichenfläche) das Ausrichten von Objekten an deren Außenkanten. Ja, Sie haben richtig gelesen. Nicht mehr nur die Cursorposition ist entscheidend, sondern die Objektdimensionen.



Die rechte Seite des Quadrats rastet an der Hilfslinie ein, obwohl der Cursor mitten auf der Fläche positioniert ist.

Magnetische Hilfslinien sind in der neuen Version standardmäßig aktiviert und nerven weniger (Texte werden nicht mehr so prominent hervorgehoben). Probieren Sie die Funktion einmal aus - magnetische Hilfslinien helfen Ihnen, Ihre Produktivität zu steigern!

Schnittmasken

Kommen wir zu den Verbesserungen, die nicht sofort ins Auge springen. Illustrators Schnittmasken waren immer ein wenig "halbherzig". Die beschnittenen Teile der Grafik waren zwar nicht mehr sichtbar, aber trotzdem immer im Weg. Man aktivierte sie bestimmt immer dann, wenn man gerade eine sehr umfangreiche Auswahl erstellte. Dieser Nachteil wurde beseitigt. Mit Illustrator CS4 beschneiden Schnittmasken so, wie man es erwartet. Aber natürlich werden die unsichtbaren Bereiche nicht permanent gelöscht.

Oberfläche

Die Benutzeroberfläche der Creative Suite Anwendungen hat im Vorwege bei den Nutzern beider Betriebssysteme für Diskussionsstoff gesorgt, hält sie sich doch nicht an die reine Lehre der Design-Vorschriften von Apple oder Microsoft. Die Oberfläche ist jedoch sehr flexibel. Und die Mac-User können beruhigt sein, dass sie nicht gezwungen sind, den Applikationsrahmen zu benutzen, sondern auch weiterhin alle Fenster floaten können. Oder nur einige. Oder gar keine.




Freie Wahl beim Arbeiten mit dem Applikationsrahmen
.

Objekte können Sie per Drag-and-Drop auf die Tabs zwischen Dokumenten kopieren. Vergleichbar werden gedockte Palettenfenster sichtbar, wenn Sie ein Objekt auf deren Icon ziehen. Und nur so ist das Dock wirklich sinnvoll. Die Miniatur wird aus der Aussehen-Palette (Screenshot) auf das Grafikstile-Icon gezogen, woraufhin die Palette ausklappt.

Weitere Verbesserungen

An vielen weiteren Dingen wurde gearbeitet. Die Option, beim Ausrichten ein Basisobjekt bestimmen zu können, wurde endlich so ins Programm eingebaut, dass man sie finden kann, ohne den Telefonjoker einzusetzen.



Ist Ausrichten am Basisobjekt ausgewählt, zeigt der blaue Rahmen das Basisobjekt an. Mit einem Klick auf ein anderes Objekt wird dieses als Basis verwendet.

Die in Version CS3 vermurkste Konturlinie-Funktion ist korrigiert und erzeugt in CS4 nicht mehr einige Dutzend überflüssiger Ankerpunkte, die man nie wieder los wird. Pfadtexte machen weniger Arbeit, weil die entsprechende Satz-Engine erheblich verbessert wurde. Besonders bei extremen Pfadkrümmungen, wie sie häufig in der Kartografie vorkommen, werden Sie das zu schätzen wissen. Wer seine Grafiken zugänglich (accessible) gestalten will oder muss, erhält eine Vorschau für verbreitete Arten von Farbfehlsichtigkeit. Dies ist besonders interessant für Web-Designer oder Infografiker.



So würden es farbenblinde Menschen sehen.

Auch Ballast wurde abgeworfen: das Filter-Menü ist nicht mehr. Die letzten Funktionen, die nur dort zu finden waren, sind jetzt auf das Effekte- und das Objekt-Menü verteilt.

Beispiel-Dateien und Bibliotheken wurden mit aktuellen Trend-Grafiken aufgefrischt, wie Wappen-, Foliage- oder Grunge-Elementen. Adobe hat einige bekannte Illustratoren nicht nur um Demo-Grafiken, sondern auch um Beschreibungen ihrer Techniken gebeten. Das ist beileibe nicht nur für Anfänger interessant (Coole Extras > Sample Files > Sample Art > How did they do that).

Also doch eine Menge Holz. Und vor allem Dinge, nach denen Anwender gefragt haben. Die Benutzbarkeit und der Nutzen haben bei diesem Update die Hauptrolle gespielt - nicht coole neue Funktionen.

Haben wollen?

Dass die Bug-Bereinigungen (vor allem des Konturlinie-Bugs) Geld kosten, ist ein Ärgernis; wer aber die bereinigten Funktionen dringend und regelmäßig benötigt, wird die CS4 wohl kaufen müssen. FreeHand-Umsteiger dagegen finden in der CS4 lange in Illustrator vermisste Funktionen, so dass sie sich mit dem Programm jetzt eher anfreunden können.

Darüber hinaus ist Illustrator CS4 intuitiver bedienbar und daher gut für Einsteiger geeignet. Als erfahrener Illustrator-Nutzer werden Sie mit vielen Funktionen produktiver arbeiten können und sich vielleicht fragen, warum das nicht schon immer so gemacht wurde.



Über die Autorin:

Monika Gause, freischaffende Kommunikationsdesignerin, pflegt seit 1990 ein inniges Verhältnis zur Vektorgrafik. Sie ist Autorin der Galileopress-Praxisbücher Illustrator CS2 und CS3, sowie diverser Fachartikel (PAGE, DOCMA).

Auf Ihrer sehenswerten Webseite www.vektorgarten.de gibt die Designerin viele Tipps zum Thema "Umstieg von Freehand zu Illustrator." In unserem Onlineshop finden Sie eine 60-seitige Leseprobe aus dem Bestsller "Adobe Illustrator CS3: Das Praxisbuch zum Lernen und Nachschlagen". Hier erklärt die Autorin u.a. den Umgang mit den Freihand-Zeichenwerkzeugen in Illustrator.

Noch mehr zum Thema Illustrator & Co. bei Cleverprinting:

Drucken und Exportieren aus Adobe Illustrator
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