Photoshop CS4: Lohnt das Update?

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Photoshop CS4: Lohnt das Update?

Von Markus Wäger

Alle 18 bis 24 Monate steht die Gemeinde der Kreativen und Bildbearbeiter vor der Frage, ob sich ein Update auf eine neue Creative Suite oder eine neue Photoshop-Version lohnt. In meinen Seminaren zu Photoshop, InDesign und Illustrator wird die Frage von Kursteilnehmern gerne an mich weitergereicht.

Photoshop CS4: Ja oder Nein

Mit einem klaren Ja oder Nein lässt sie sich aber nicht beantworten. Die beeindruckendste, neue Funktion in Photoshop ist sicher »Skalieren (Inhalt bewahren)«, über die bereits einiges berichtet und diskutiert wurde. Mit dieser Funktion schützt Photoshop automatisch Bildbereiche, die es für bildwichtig hält, vor Verzerrung und wendet die Skalierung zunächst nur auf das an, was man als »Hintergrund« bezeichnen könnte.

Hinweis: Klick auf das Bild öffnet eine Großbildansicht






Ich habe diese Funktion schon an Gebäuden, Tieren und Menschen getestet, und es ist in der Tat faszinierend, was die Programmierer hier zusammengezaubert haben. Man sollte sich jedoch von solchen »Wundern« nicht zu sehr blenden lassen. Ich will zwar nicht ausschließen diese Funktion praktisch einsetzen zu können. Aber ich denke, zum unverzichtbaren Werkzeug wird es wohl nicht werden.

Tabs im Photoshop CS4-Interface

Ebenfalls viel besprochen und beschrieben ist der Einzug von Tabs in das Photoshop-Interface. Versierte Internet-Anwender kennen diese Funktion von ihren Browsern. Ich persönlich kann mir meinen Browser ohne Tabs nicht mehr vorstellen. Von der Tab-Funktion in Photoshop werde ich das wohl nicht behaupten. Das soll keine Kritik daran sein, denn als störend empfinde ich die Tabs nicht. Da ich jedoch ohnehin immer im Vollbildmodus arbeite (wo es keine Tabs gibt) und die offenen Fenster über Tastenkürzel zu wechseln weiß, bringen mir Tabs in Photoshop keinen Mehrwert.



Was mir wiederum gut gefällt, ist die Schaltfläche mit der sich alle offenen Fenster am Bildschirm automatisch verteilen und die Zoomstufen aller Fenster anpassen lassen. Das ging zwar schon bisher ganz ähnlich über das Menü Fenster, ist mit der neuen Schaltfläche in der neuen »Anwendungsleiste« jedoch komfortabler.


Die Anwendungsleiste ist insgesamt neu und bietet Zugriff auf ein paar Funktionen und Werkzeuge. So kann man beispielsweise über die dritte Schaltfläche (nach Bridge) Raster und Lineale einblenden, Lupe- wie Handwerkzeug aktivieren und mit der letzten Schaltfläche zwischen den Ansichtsmodi wechseln. Weshalb ich das aber hier besser können soll, als über die bewährte Werkzeugleiste, weiß wohl Adobe alleine.

Aktivieren Sie am Mac über das Menü Fenster den Anwendungsrahmen, dann wird aus der Anwendungsleiste die Kopfleiste des Programmfensters. Adobe hat mit Photoshop CS4 die Idee des Programmfensters von Windows auf den Mac übertragen – jedenfalls soweit als möglich.


Wenn Sie diese Funktion aktivieren, dann docken Paletten nicht mehr am Rand des Monitors an, sondern am Rand dieses Anwendungsrahmens. Sie können nun das Programmfenster als ganzes vergrößern und verkleinern – alle offenen Tabs passen sich – egal wie angeordnet – automatisch an das gemeinsame Programmfenster an. Ob man das nutzen möchte oder nicht, ist letzten Endes Geschmacksache.

Erweiterte Funktionen

Auf alles, was ich bisher angesprochen habe, könnte ich auch gut verzichten. Nun aber genug der Oberflächlichkeiten! Sehen wir uns mal das Eingemachte an.

Was mich zunächst etwas schockierte und vor den Kopf gestoßen hat, ist, dass Einstellungsebenen nicht mehr über denselben Dialog ausgeführt werden, wie destruktive Anpassungen über das Menü Bild. In Photoshop CS4 ist vielmehr eine neue Palette dafür eingezogen (die bedauerleicherweise nicht Einstellungsebenen, sondern Korrekturen heißt). Lässt man sich aber ersteinmal auf die Arbeitsweise ein, die sich durch diese Veränderung ergibt, wird man quasi zu einem neuen Workflow mit Einstellungsebenen gezwungen. Mein Eindruck ist, dass sich dadurch die Arbeitseffizienz deutlich erhöht. Ich denke, dass die Einstellungs- bzw. Korrekturen-Palette die Arbeit mit Photoshop nachhaltig verändern wird.


Von Lightroom hat Photoshop eine Funktion übernommen, mit deren Hilfe sich beispielsweise Anpassungen der Gradationskurven oder in Farbton/Sättigung mit einem Slider direkt im Bild vornehmen lassen. Das wird den Umgang mit den bei Einsteigern gefürchteten Gradationskurven sicher auch für weniger ausgewiesene Experten erleichtern. Doch auch Experten können mit dieser neuen Funktion die Effektivität und Effizienz bei der Arbeit mit Tonwert- und Farbanpassungen steigern. Haben wir uns erst an diese Funktion gewöhnt, werden wir sie nicht mehr missen wollen – ähnlich wie in CS3 das Schnellauswahl-Werkzeug.

Nicht nur Einstellungsebenen haben eine eigene Palette erhalten, auch ein paar Funktionen von Ebenenmasken lassen sich nun über Einstellungsebenen steuern. Ob das für den alten Photoshop-Fuchs tatsächlich eine nützliche Innovation darstellt, mag dahingestellt bleiben. Doch dem Einsteiger und Gelegenheits-Photoshopper wird es den Umgang mit Ebenenmasken sicher erleichtern.

Mehr Sättigung: Dynamik

Eine neue Einstellung – sowohl als destruktive Anpassung wie auch als Einstellungsebene – ist über den Dialog Dynamik möglich. Der Dialog zeigt ganze zwei Regler und wirkt damit etwas mickrig, hat es aber in sich. Wer mit Lightroom oder Camera Raw arbeitet, kennt den Regler »Lebendigkeit« schon länger. Hier in Photoshop heißt er eben Dynamik und ist für die Sättigung von Farben zuständig. Während jedoch der Regler Sättigung die Leuchtkraft von Farben global puscht und damit oft zu einer Übersättigung von ohnehin bereits leuchtenden Farben führt, verstärkt »Dynamik« lediglich die Leuchtkraft von Farben die gering gesättigt sind, und lässt ohnehin bereits stark gesättigte Farben unberührt. Eine sehr, sehr wertvolle Kleinigkeit, die man nicht mehr missen möchte, nachdem man sie einmal hatte.


+100 Dynamik


+100 Sättigung

Pinselspitzen

Eine versteckte Neuerung gibt es für Pinselspitzen: Wenn Sie am Mac CTRL+Alt-Taste halten und bei gedrückter Maustaste die Maus links-rechts bewegen, können Sie damit die Pinselgröße verändern. Unter Windows: Alt-Taste und bewegen der Maus bei gedrückter rechter (!) Maustaste. Dabei werden Härte und Umfang des Pinsels mir einer roten Vorschau angezeigt.

Durch Drücken von Shift+Alt und rechter Maustaste können Sie unter Windows die Härte des Pinsels durch Bewegen der Maus verändern. Am Mac ändern Sie die Härte durch Halten von CTRL-Alt-Apfel-Taste und bewegen der Maus bei gedrückter Maustaste. Mir gefällt diese neue Möglichkeit eine Pinselspitze einzustellen vor allem deshalb, weil es eben eine Voransicht der Auswirkung der Anpassungen gibt.

Bisher konnten Sie ein Werkzeug durch Drücken eines Buchstabens aktivieren – beispielsweise den Pinsel durch B wie »Brush«. Temporär aufrufen ließen sich das Verschieben-Werkzeug durch Apfel/STRG, das Hand-Werkzeug durch die Space-Taste und die Lupe durch Space+Apfel/STRG bzw. Space+Apfel/STRG+Alt. Mit CS4 lassen sich in Photoshop alle Werkzeuge temporär aufrufen: Haben Sie beispielsweise das Rechteckwerkzeug aktiv, wollen für einen Moment den Pinsel temporär aufrufen, dann drücken und halten Sie B, führen den Pinselstrich mit der Maus aus, lassen die Maus wieder los und anschließend die Taste B. Voilà! Sie haben den Pinsel nur temporär aktiviert und sind wieder beim Rechteck-Werkzeug.

Nachbelichter und Abwedler

Eine deutliche Verbesserung haben auch die Werkzeuge Nachbelichter und Abwedler erhalten, die nun bedeutend weniger aggressiv zu Werke gehen. Wer diese Werkzeuge oft benötigt, sollte sich CS4 auf jeden Fall ansehen. Wer bei bisherigen Versuchen nicht überzeugt von ihrer Wirkung war, sollte sie nun neuerlich testen.

Nicht revolutioniert, aber doch weiterentwickelt wurde der Dialog für HDR-Bilder. Vor allem, dass es jetzt eine Bildvorschau gibt, macht das Arbeiten mit HDR-Bildern etwas einfacher. Wer nur gelegentlich mit HDR arbeiten möchte, kommt mit CS4 vielleicht eher darumherum, sich ein separates Programm dafür zu besorgen.

Zoomen

Zoomen und verschieben der Arbeitsfläche geht heute flüssiger als in den Vorgängerversionen. Auch Ansichten die nicht 100%, bzw. einem exakten Teil davon entsprechen (also 50%, 25%, 12,5% etc.), werden nun sauber berechnet und weisen keine körnige, pixelige Darstellung mehr auf. Dennoch sollten auch in Zukunft sensible Retuschen wie schärfen und Rauschen reduzieren ausschließlich in der 100%-Ansicht erledigt werden.

Wenig Freude werden einige »alte Hasen« damit haben, dass es einige Veränderungen bei den Shotcuts gibt. So werden Beispielsweise die Kanäle nicht mehr über Apfel/STRG-1, 2, 3 aufgerufen.

FAZIT:

Unterm Strich darf man von einer neuen Photoshop-Version wohl längst keine Revolution mehr erwarten. Das Programm ist längst weitgehend ausgereift. Doch mit jeder neuen Version schafft es Adobe wieder einen Hauch mehr an Luxus, Bequemlichkeit und Komfort zu integrieren. Ich für meinen Teil mache jedes Update mit und könnte nicht behaupten es jemals bereut zu haben. Das hat aber auch mit einem gewissen Ehrgeiz immer mit der neuesten Version arbeiten zu wollen zu tun, wie auch damit, dass ich als Trainer natürlich mit der aktuellen Version arbeiten muss.



Wer diesen Zwang und Drang nicht verspürt kann bei Adobe auch gut immer nur jedes zweite große Update mitmachen und ist damit gut bedient. Wenn Sie mit CS3 arbeiten, können Sie gut auf CS5 warten und CS4 auslassen. Wenn Sie mit CS2 arbeiten, dann sollten Sie sich CS4 unbedingt ansehen. Gemeinsam sind die Neuerungen von CS3 und CS4 ihr Geld allemal wert. Glauben Sie mir: Das Schnellauswahlwerkzeug, und die Möglichkeit Tonwerte und Farben durch Klicken und Ziehen im Bild beeinflussen zu können, werden Sie bald nicht mehr missen wollen.

Über den Autor: Markus Wäger

Markus Wäger ist Adobe Certified Expert für InDesign und Photoshop. Er arbeitet seit 1997 als freier Grafikdesigner in Westösterreich und betreibt das Dornbirner Gestaltungsbüro „Designworks“. Mit viel Leidenschaft für Design, Typografie und Fotografie unterrichtet er seit einigen Jahren als zertifizierter Trainer InDesign, Illustrator
und Photoshop. Sein Buch „Adobe Photoshop CS3 – die Workshops für
Einsteiger
“ gehört zu den bestverkauften Werken zu Photoshop CS3.
Noch im Dezember erscheint sein Buch über die Nikon D700 und im Frühjahr
folgt die Neuauflage des Workshop-Buches zu CS4. Außerdem betreibt er
unter www.markuswaeger.com ein Weblog zu den Themen Gestaltung, Adobe,
Apple und Fotografie.

Links zum Thema:

http://www.adobe.com/de/products/photoshop/photoshop/

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