QuarkXPress 9.1 AppStudio

Von Georg Obermayr

Im letzten Cleverprinting Newsletter "Das iPad-Publishing-Desaster" haben wir Ihnen einen pointierten Standpunkt zum Tablet Publishing aufgezeigt. Wir haben dargestellt, dass die Erwartungen an das iPad viel zu aufgeheizt waren. Dass sich jetzt bei manchen Enttäuschung breit macht, ist verständlich - für Resignation ist es aber zu früh. Abseits von reinen Download-Zahlen haben Apps nämlich eine ganz andere Wirkung: Sie fördern das Image. Genauso wie Print nicht ausschließlich aus Periodika besteht, macht es keinen Sinn, Tablet Publishing auf Verlagsprodukte zu reduzieren. Die Möglichkeiten sind viel größer. Im Sinne ihrer Kunden sollten sich also gerade Agenturen und Grafiker anschauen, was das Tablet zu bieten hat. Vielfältige Produkte von Imagebroschüren, Jahresprogrammen und Katalogen über Produktbroschüren bis hin zu Geschäftsberichten lassen sich nicht nur einfach auf das iPad transferieren - sie können dort als multimediale Erlebnisse zu neuem Leben erweckt werden.

Bei dieser Art von Apps steht nicht die Menge der Downloads im Vordergrund - diese ist im Gegenteil eher zweitrangig. Diese Apps stärken das Image des Unternehmens und führen zu einer veränderten Wahrnehmung am Markt. Bis hin zum B2B-Maschinenbauer erkennen immer mehr Unternehmen, dass gut gemachte Digital Publishing-Apps auf den ganzen Betrieb abstrahlen. Wer im Marketing mit Apps innoviert, macht das wahrscheinlich auch mit seinen Produkten und Dienstleistungen - oder?

Hier liegt enormes Potential für strategisches Marketing. Und für Agenturen, die sich mit Digital Publishing ein völlig neues interdisziplinäres Geschäftsfeld erschließen können. Adobes verquere Preispolitik hat diesen Markt schon fast wieder zerstört, bevor er richtig aufgekeimt ist.

Jetzt müssen eben andere zeigen, dass Digital Publishing und Agenturen zusammenpassen. Quark könnte genau das mit dem neuen AppStudio für QuarkXPress 9.1 gelungen sein. Wer noch eine alte Version von QuarkXPress herumliegen hat, sollte überlegen upzudaten (und den Markzware ID2Q-Konverter gleich mit zu kaufen): Die Lösung kann technisch an vielen Stellen mehr und ist preislich genau auf Agenturen ausgelegt. In dieser Folge des Cleverprinting Newsletters soll das App Studio daher genauer vorgestellt werden.

Die Kosten

Zuerst zu den harten Fakten: Das Preismodell von Quark ist nachvollziehbar und attraktiv:
- Die App, also der Mantel in dem die digitalen Ausgaben auf dem iPad dargestellt werden, kostet einen einmaligen Betrag. Dieser liegt je nach Vorlage zwischen 119,- Euro für Einzel-Titel Apps und 1.150,- Euro für aufwändigere Kiosk Apps. Die Apps können vollständig an das Corporate Design angepasst werden - es sind keine Programmierkenntnisse erforderlich.
- Jede digitale Ausgabe kostet zwischen 83,33 (300er Paket) und 279,- Euro (1er Paket) pro Ausgabelizenz - je nach erworbenem App Studio Lizenzpaket. Die Ausgaben können komplett auf dem Desktop in QuarkXPress erstellt werden. Es können beliebig viele Tests kostenlos durchgeführt werden. Erst bei der Veröffentlichung über ein von Quark bereitgestelltes Verwaltungsportal wird der Betrag fällig.

Das wars! Das Angebot von Quark besteht also aus zwei einmaligen Kosten, die sich in einem sehr humanen und realistischen Rahmen bewegen. Einzige Voraussetzung ist der Besitz von QuarkXPress 9.1 (wohin es natürlich viele Update-Pfade gibt). Quark verlangt keine monatliche Grundgebühr, keine Kosten pro Download und kein separat zu erwerbendes Redaktionssystem. Auch für das Hosting der digitalen Ausgaben wird keine Vorgabe gemacht, was sehr preisgünstige Hosting-Lösungen ermöglicht. Es gibt bei Quark auch kein spezielles Agentur-Modell, da bereits das grundlegende Verkaufsschema auf Agenturen und Grafiker ausgelegt ist. So müssen auch die Kunden der Agenturen keine direkte Geschäftsbeziehung mit Quark eingehen, wie dies etwa bei Adobe der Fall ist. Die Einstiegshürde in das Digital Publishing wird in der Lösung von Quark also extrem niedrig angelegt. Ideal für Agenturen, um ein rentables Geschäftsfeld daraus zu formen.

Mehr zum Preismodell von Quark unter http://www.quark.com/de/Products/AppStudio/Pricing.aspx

Abgesehen von den Kosten bei Quark fallen bei Apple noch jährlich ca. 79,- Euro für den Entwickler Accout an. Dieser ist notwendig um Apps in den AppStore laden zu dürfen.

Systemaufbau AppStudio

Quarks AppStudio gliedert sich in drei Bereiche:
- Den digitalen Magazinen. Diese werden in QuarkXPress gestaltet und anschließend als ZAVE-Datei exportiert. Diese Datei kann offline getestet werden. Ist alles in Ordnung, wird die Datei zur Veröffentlichung auf einem beliebigen Webserver abgelegt.
- Die App, welche die digitalen Ausgaben wiedergibt. Quark hat hierzu ein Tool bereitgestellt, um das Branding der App vornehmen zu können. Die App wird bei Apple eingereicht und erscheint nach Genehmigung im AppStore.
- Einer Online-Distributionsplattform. Über ein Webinterface werden die ZAVE-Dateien mit der App zusammengebracht. Nach Freischaltung steht das Magazin den App-Anwendern zum Download zur Verfügung.

Da digitales Magazin und App den spannenden, nach außen sichtbaren Teil, der AppStudio-Lösung darstellen, soll der Fokus in diesem Newsletter darauf liegen.

Mehr zum Systemaufbau von AppStudio unter

Digitales Magazin

Das Grundprinzip der Gestaltung von interaktiven Anreicherungen mit AppStudio ist einfach: Sie wählen eine Bildbox und definieren über die Palette "AppStudio" die gewünschte Art der Anreicherung. Quark bietet hier einen mit anderen Anbietern vergleichbaren Funktionsumfang, der sich sehr intuitiv erschließen lässt. Die Anreicherungs-Möglichkeiten reichen dabei von klickbaren Bildern, Slideshows mit Ken Burns-Effekt, Film-, Audio und HTML5-Einbindung (jeweils on- und offline) über Schaltflächen (etwa zum Steuern von Slideshows oder zur Einblendung von PopUps) bis zu scrollbaren Bereichen. Diese Funktionen sind unter http://www.quark.com/de/Products/AppStudio/Design.aspx genauer beschrieben.

Das AppStudio entfaltet hier einige besondere Vorteile, die sich aus der einzigarten Programm-Architektur von QuarkXPress ergeben:

- Projektkonzept: QuarkXPress erlaubt das Anlegen verschiedener Layouts in einer einzigen Projekt-Datei. So können nicht nur Hoch- und Querformat für das iPad nebeneinander gestaltet werden - auch die Print-Fassung oder verschiedene Versionen für verschiedene digitale Geräte können Bestandteil der gleichen Projekt-Datei werden. Beim Anlegen eines neuen AppStudio-Projekts können Sie entscheiden, für welche Ausrichtungen und Geräte (hier aktuell nur für das iPad, Android ist angekündigt) Sie gestalten möchten. Quark hat dazu das Projektkonzept aufgebohrt und um sog. Layoutfamilien erweitert. Diese Layoutfamilien sind intern miteinander verbunden und teilen automatisch bestimmte Eigenschaften wie etwa die Seitenzahl. Wenn Sie ein neues AppStudio-Layout anlegen, präsentiert QuarkXPress es Ihnen gleich in einer optimierten Bildschirm-Ansicht:



- Synchronisierte Objekte: Die Synchronisierung zwischen Hoch- und Querformat geht in QuarkXPress aber noch viel weiter: Mit der Funktion "Mehrfach genutzte Objekte" können Sie nicht nur Texte und Bilder sondern auch das Aussehen ganzer Objekte zwischen den verschiedenen Layouts synchron halten. Mit dem neuen Menübefehl "In andere Layouts kopieren" lassen sich auf Knopfdruck ganze Layoutbausteine in die anderen Ausrichtungen transferieren. Diese werden dann von QuarkXPress automatisch miteinander synchronisiert. Ändern Sie z.B. einen Text im iPad-Hochformat-Layout wird diese Änderung automatisch auch im Querformat- und im Print-Layout umgesetzt. Ein echter Zeit- und Produktivitätsgewinn!



- Composition Zones: Die Möglichkeit QuarkXPress-Layouts in anderen QuarkXPress-Layouts zu platzieren, von Quark Composition Zones genannt, wird für das Tablet Publishing ebenfalls extensiv genutzt. So lassen sich etwa für Slideshows nicht nur externe Bilder verwenden sondern auch aufwändig gestaltete QuarkXPress-Layouts. Während in anderen Lösungen erst umständlich aus den fertigen Layouts Bilddateien erstellt werden müssen, können bei Quark auf diesem Weg sogar Interaktionen ineinander verschachtelt werden. Ein anderes Beispiel für den Einsatz von Composition Zones sind scrollbare Bereiche. So kann etwa ein längerer Fluss aus Texten und Bildern zum Scrollen per Wischgeste dargestellt werden. Für den scrollbaren Bereich stehen ebenfalls wieder alle Layout-Features von QuarkXPress und die Möglichkeit Interaktionen in anderen Interaktionen zu verschachteln offen. Ein besonders Schmankerl sind in diesem Zusammenhang die sogenannten Marker: Mit ihnen lässt sich durch die Position im scrollbaren Bereich das Aussehen des äußeren Rahmens beeinflussen. Wischt der Anwender z.B. auf dem iPad zur Mitte des scrollbaren Bereichs wechselt im Hintergrund automatisch das Seitenbild. Ein einzigartiges Design-Feature, dass - konsequent ausgereizt - auf dem iPad zu erstaunlichen Effekten führen kann.

Interessant ist, dass alle drei Konzepte - Projekte, synchronisierte Objekte und Composition Zones - schon seit mehreren Versionen in QuarkXPress existieren. Natürlich hat auch bei Quark damals noch niemand den Hype um das iPad vorausgeahnt. Trotzdem ist es spannend zu sehen, wie sich die über die Jahre oft geschmähte Crossmedia-Strategie von Quark im iPad-Publishing (und nicht nur hier) zu einem stimmigen Ganzen zusammensetzt.

Sind Sie mit Ihrem Design und den interaktiven Anreicherungen fertig, können Sie das Layout über Ablage -> Exportieren -> Layout als AVE in ein digitales Magazin exportieren. Das Resultat ist eine sogenannte ZAVE-Datei.

Quark bietet hierzu zwei Varianten des AVE-Formats:
- Das AVE-Mag ist auf explizit für das digitale Endgerät gestaltete und optimierte Layouts ausgelegt. Es unterstützt alle Arten der interaktiven Anreicherung, unterschiedliche Layouts für Hoch- und Querformat und Seitenstapel für die sog. "Wäscheleinennavigation". Quark verwendet für den Export des Layouts einen cleveren Trick: Im Gegensatz zu anderen Anbietern werden die interaktiven Elemente nicht einfach auf ein im Hintergrund liegendes Seitenbild aufgeklebt (daher der Ausdruck Overlay), vielmehr analysiert QuarkXPress die Stapelfolge im Layout und kann so auch interaktive Elemente zwischen Layout-Elemente stellen. So kann ein Video im Hintergrund ablaufen und z.B. von einem Einklinker tlw. überlagert werden.
- Das AVE-Doc Format ist dagegen für Layouts gedacht, die 1:1 aus bestehendem Print-Stehsatz auf das iPad ausgegeben werden sollen. Dieses Format unterstützt alle Arten der interaktiven Anreicherung (außer scrollbaren Bereichen), jedoch keine unterschiedlichen Layouts für Hoch- und Querformat. Da solche Layouts nicht für das iPad optimiert sind, unterstützt das AVE-Doc Format Zoomen per Gestensteuerung. So kann der Text für eine bessere Lesbarkeit einfach vergrößert werden. Quark setzt hier intern auf PDF, was auch bei starker Vergrößerung zu randscharfer Schriftdarstellung (und oftmals auch kleineren Datenmengen) führt.

Haben Sie die ZAVE-Datei exportiert, kommt das App-Ecosystem von Quark ins Spiel. Zum Testen bietet Quark eine "Issue Previewer" App an. Diese kann im iOS-Simulator auf dem Mac oder direkt auf dem iPad (über den AppStore) installiert werden. Die ZAVE-Datei wird dann entweder über iTunes, ein Webinterface oder direkt beim Export aus QuarkXPress in die Previewer-App importiert.

App Studio Factory

Die Voransicht im "Issue Previewer" ist nett - aber natürlich soll das digitale Magazin am Schluss in einer für Ihr Unternehmen oder Ihre Kunden speziell gebrandeten App erscheinen. Hier kommt die App Studio Factory ins Spiel.

Diese (wegen den notwendigen Entwickler-Tools von Apple) nur auf Mac OS-X Snow Leopard und OS-X Lion lauffähige Software bietet ein einfaches Interface für die Gestaltung und Konfiguration Ihrer App. Im ersten Schritt wählen Sie aus einer Serie von Vorlagen die gewünschte aus. Quark bietet hier sowohl einfache Einzel-Titel Apps als auch ausgefeilte Kiosk Apps an. Anschließend können Sie die App mit Ihren eigenen Hintergründen, Farben, Logos usw. gestalten (branden) und auf dem iPad oder im iOS-Simulator testen.




Sobald Sie sich an die Veröffentlich von App und digitalem Magazin machen, wird es leider etwas komplizierter: Apples Entwicklerprogramm besteht aus einem, besonders für Einsteiger, verworrenen System aus Zertifikaten, IDs und Weboberflächen. Quark bietet wiederum selbst ein Webinterface zur Verwaltung der digitalen Ausgaben und Apps. Hier wird auch die Lizenz für beides erworben und mit der App verbunden. Der ganze Vorgang wurde von Quark zwar gut dokumentiert, ist aber besonders beim ersten Mal gewöhnungsbedürftig. Hier heißt es mit kühlem Kopf durch die Unterlagen lesen und die Anleitungen Schritt für Schritt ohne Zeitdruck abarbeiten.

Fazit

Das AppStudio von Quark ist ein großer Wurf. Die mächtigen Möglichkeiten zur interaktiven Anreicherung sind durchdacht und integrieren sich sinnvoll in die anderen Konzepte von QuarkXPress. Das Branding von Apps macht ebenfalls viel Spaß und wird nur durch das komplexe, tlw. von Apple vorgegebene, Entwickler-Ecosystem getrübt. Preislich geht Quark in die Offensive und liefert ein planungssicheres und attraktives Kostenmodell. Besonders für Agenturen und Grafiker ist AppStudio somit der ideale Einstieg in das Tablet Publishing Geschäft.

Georg Obermayr http://www.georgobermayr.de/

Gratis Testversion Quark AppStudio: http://www.quark.com/de/Products/QuarkXPress/Test_Drive.aspx

AppStudio Referenzen: http://www.quark.com/Products/AppStudio/App_Showcase.aspx

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PDF/X und Colormanagement 2011


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